Die Jahrestagung UN-Konventionell 2024 widmete sich den Schwerpunktthemen berufliche Qualifizierung und Digitalisierung. Die Veranstaltung bot eine Plattform für Fachkräfte aus Werkstätten, Bildungseinrichtungen und sozialen Organisationen, um innovative Ansätze, Best Practices und praxisorientierte Lösungen zu diskutieren. Mit über 70 Teilnehmenden wurde der Wert des fachlichen Austauschs für die tägliche Arbeit eindrucksvoll unter Beweis gestellt.
Am ersten Tag standen zwei Impulsvorträge sowie Diskussionsgruppen zum Thema Digitalisierung im Fokus:
Impulsvortrag von Hans-Walter Kranert
"Vom Job-Coach zum Berufsbildner – eine (un-)mögliche Aufgabe für Werkstätten?"
Kranert beleuchtete, wie berufliche Bildung in Werkstätten unter besonderen Bedingungen umgesetzt werden kann. Er thematisierte die Rolle von Fachkräften im Spannungsfeld zwischen Coaching und Bildung.
Fünf Kernaussagen:
1. Die Qualität beruflicher Bildung hängt maßgeblich von den Kompetenzen
der Lehrenden ab und erfordert ein multiprofessionelles,
didaktisches Kompetenzportfolio.
2. Berufliche Bildung muss durch Verfügbarkeit, Zugänglichkeit, Annehmbarkeit
und Adaptierbarkeit individuell ausgerichtet sein.
3. Berufsbildner agieren in einer Doppelrolle als Ausbilder und Lehrer und
benötigen Zusatzqualifikationen wie ReZa oder SPZ.
4. Der PlaUsiBel-Ansatz verbindet Theorie und Praxis durch didaktische Modelle,
Erklärfilme und Umsetzungshilfen.
5. Bildung ist eine kontinuierliche Aufgabe, die individuelle Bedürfnisse und
organisatorische Entwicklung verknüpfen muss.
Impulsvortrag von Martin Ossenberg
"Neue Wege mit digitalen Assistenzsystemen – Chance für die Inklusion?"
Ossenberg zeigte anhand von Praxisbeispielen aus den Iserlohner Werkstätten, wie digitale Technologien wie Cobots und 3D-Druck zur Förderung von Teilhabe und beruflicher Qualifizierung beitragen können.
Fünf Kernaussagen:
1. Cobots und angepasste Prozesse schaffen barrierefreie Arbeitsplätze und
fördern Inklusion.
2. Digitale Assistenzsysteme stärken Autonomie durch individuell
gestaltete Alltagshilfen.
3. Visualisierungen und Audiosysteme erleichtern das Lernen und
die Verständlichkeit komplexer Arbeitsprozesse.
4. Digitalisierung eröffnet neue Innovationsfelder, z. B. durch
Industrie 4.0-Technologien.
5. Projekte wie "BuFaPro" und "5G Inklusion 4.0 – Land.Funk"
fördern Digitalisierung in Werkstätten, insbesondere im ländlichen Raum.
In moderierten Diskussionsrunden wurden folgende Leitfragen behandelt:
• Wo nutzt Ihr bereits Digitalisierung?
• Wo wünscht Ihr Euch mehr Digitalisierung?
• Wo seht Ihr keine Anwendungsmöglichkeiten?
Herausforderungen und Wünsche:
Viele Träger sind bereits aktiv in der Umsetzung mit der digitalen Akte, Social Media, 3-D-Druck, QR-Codes, sowie digitalen Hilfsmitteln, ...
Es gibt aber auch noch jede Menge Wünsche und Entwicklungsfelder wie z.B. folgende Beispiele: Barrierefreie Bildungsplattformen - Plattformen zur Berufsfindung/ Jobbörsen - Equipment zur digitalen Kommunikation - Peergroups - Werkzeugkoffer für KI-Tools - Funktionalität der Technik - Unterstützung bei Pflege und Selbstbestimmung durch Roboter und Co.
Der zweite Veranstaltungstag war geprägt durch spannende Impulse und Diskussionen in den Workshops.
Die Teilnehmenden hatten Gelegenheit, an zwei der folgenden drei Workshops teilzunehmen, die jeweils vormittags und nachmittags stattfanden:
Workshop – iQuaS:
Dieser Workshop beleuchtete das inklusive Qualifizierungssystem (iQuaS), das flexible Trainings in den Bereichen Fach-, Persönlichkeits-, Sozial- und Methodenkompetenz bietet. Die Moderation übernahmen Katharina Kiosz und Benedict Gertz von alsterdialog.
• Ganzheitlicher Ansatz: Während iQuaS die systematische
und kompetenzbasierte Struktur der beruflichen Qualifikation liefert, bietet
Lio die digitale Plattform für eine praktische, inklusionsorientierte Umsetzung.
• Förderung der digitalen Teilhabe: Beide Systeme zielen darauf ab,
Menschen mit Behinderung nicht nur für den Arbeitsmarkt vorzubereiten,
sondern auch deren Selbstständigkeit und digitale Kompetenz zu stärken.
• Nutzung realer Arbeitsanforderungen: Die Kombination aus iQuaS
und Lio erlaubt die Verbindung von Bildungsmaßnahmen mit konkreten,
digitalen Werkzeugen und Technologien, die im Arbeitsalltag relevant sind.
Workshop – Digitale Lösungen:
Maren Plehn präsentierte digitale Lernmethoden wie eine eigens entwickelte App und E-Learning-Plattform, die von Menschen mit Behinderung mitgestaltet wurden. Der Fokus lag auf inklusiver Entwicklung und praktischen Anwendungsmöglichkeiten.
• Die digitale Lernplattform der 1a Campus ermöglicht flexible,
bedarfsgerechte Lerninhalte. Die Inhalte sind Zielgruppenorientiert,
anschaulich und die Lernziele können in Form eines Quiz überprüft werden.
• Die Leicht Lernen App bietet Inhalte basierend auf anerkannten
Bildungsrahmenplänen und wird durch die Zielgruppe aus
Barrierefreiheit getestet.
Workshop – Netzwerk Zertifikatslehrgänge:
Doreen Dietmann erläuterte die Arbeit des Netzwerks „netZ“ zur Entwicklung zertifizierter Bildungsangebote für Werkstätten. netZ ist ein Zusammenschluss von Werkstätten mit dem Ziel, Menschen mit Behinderung in den Werkstätten ein hochwertiges Bildungs- und Qualifizierungssystem zu bieten. netZ entwickelt und erstellt in Kooperation mit Berufs- und Fachschulen umfangreiche und qualitativ hochwertige Lehr- und Lernmaterialien in Leichter Sprache. Es wurde eine digitale Lernplattform vorgestellt, die interaktive, barrierearme Lerninhalte bietet.
• Jeder Zertifikatslehrgang beinhaltet 12 Monate fachpraktische Unterweisung
in einem geeigneten Betrieb bzw. einer Werkstattgruppe, begleitend
mit mindestens 120 fachtheoretischen Unterrichtsstunden.
• Er bietet binnendifferenzierte Lernziele und schließt mit einem praktischen
Abschlusstest ab. Nach erfolgreicher Durchführung erhalten die Teilnehmenden
ein Zertifikat der zuständigen Kammer. Die Zertifikate sind bundesweit
anerkannte Urkunden.
• netZ unterstützt Menschen mit Behinderung in das System der regulären
Aus- und Weiterbildung einzubinden.
• Die Zertifikatslehrgänge sind eine große Chance zur Gestaltung der Übergänge
in Budget für Arbeit oder Ausbildung.
Fazit
Die Jahrestagung UN-Konventionell 2024 zeigte uns eindrucksvoll, wie berufliche Qualifizierung und Digitalisierung den Übergang in den Arbeitsmarkt unterstützen können.
Die Kombination aus praxisnahen Vorträgen, interaktiven Workshops und offenen Diskussionen machte die Veranstaltung zu einem inspirierenden Forum für Fachkräfte und Interessierte.
Die tolle Arbeitsatmosphäre und der intensive Austausch machten für uns die Fachtagung zu einem vollen Erfolg.
Wollen Sie bei der nächsten Fachtagung von UN-Konventionell dabei sein? Dann schauen Sie einfach auf unsere Veranstaltungsseite.
|